

Pilgern unter einem Hut - Unterwegs mit Sandra
Bayerisch Schwäbischer Jakobsweg
Etappe 7 : Von Augsburg nach Göggingen - 7,2 km

Kurz hinter Augsburg, in Göggingen, teilt sich der Jakobsweg in eine westliche und eine östliche Route, die sich in Bad Grönenbach wieder vereinen. Eigentlich war mein Plan, nach meiner Ankunft in Augsburg (vorherige Etappe), noch im Sommer 2020 den Jakobsweg über die Ostroute bis nach Lindau fortzusetzen. Aber leider hat es nicht mehr geklappt (Danke @Corona), so dass es fast ein ganzes Jahr her ist, dass ich in Augsburg an der Jakobskirche angekommen bin.
Heute, am Donnerstag nach Pfingsten 2021, ist das Wetter vielversprechend und die Inzidenz in Augsburg endlich einigermaßen tolerabel. Ich packe mich samt Pilgerhut, Pilgersteinen und mäßig vollem Rucksack ins Auto, um die Anfahrtsstrecke für die geplante Minitagesetappe zurückzulegen. Ich parke 100 Meter entfernt vom Startpunkt an der Wertachbrücke in Göggingen in einer ruhigen Seitenstraße.
Häh? Startpunkt? Ist die Jakobskirche in Augsburg, denn nicht eigentlich mein Startort? Richtig! Leider gibt es eine kleine coronabedingte Planänderung mit verkehrstechnischen Vorteilen für ortsunkundiges Pilgervolk wie mich. Ich werde den Weg heute - ausnahmsweise entgegen meiner bisherigen Laufrichtung - zunächst Richtung Augsburg ins Zentrum und dann wieder zurück zu meinem Auto gehen. Das vermeidet mir sowohl eine nervige Parkplatzsuche im Stadtzentrum, als auch eine volle Tramfahrt (zu Pandemiezeiten lieber vermeiden) zurück zum Auto. Außerdem verlängert es die Strecke auf insgesamt 14 Kilometer.

Die ersten Pilgersteine werden ausgesetzt
Die Pilgerwegtafel mit dem Hinweis, dass sich hier der weitere Weg Richtung Lindau in einen Ost- und einen Westweg an dieser Stelle trennt, finde ich auf Anhieb. Der Ostweg, den ich in ein paar Wochen in Angriff nehmen möchte, führt von hieraus Richtung Türkheim bis nach Bad Grönenbach, wo er sich mit dem Westweg wieder vereinigt.
An dieser Infotafel setze ich vier Pilgersteine auf dem Metallrahmen aus.
Da kann ich nur noch hoffen, dass auch jemand anderes meine Steinidee toll findet, einen Stein mitnimmt, den QR Code auf der Rückseite scannt, und dann Kontakt mit mir aufnimmt.

Entlang der Wertach
Ich komme an einem idyllisch gelegenen Kiosk mit Biergarten vorbei. Wenigstens die Außengastronomie hat seit gestern wieder geöffnet in Bayern.
Dies Sonne scheint hin und wieder durch die Wolken und die Vögel zwitschern freundlich. Auf dem Rückweg wäre ein kühles Getränk mit Blick auf die Wertach eine schöne Belohnung, aber noch ist das nicht verdient.
Ich verlasse die Wertach und gehe ein kurzes Stück durch ein ruhiges Wohnviertel und weiter durch den Wittelsbacher Park.

Die Augsburger Altstadt
Weiter geht es vorbei an einem markanten, rundgebauten Hotelturm. Kurz darauf quere ich auf der Gögginger Brücke die Bahngleise in der Nähe des Hauptbahnhofes. Hier herrscht schon jede Menge Verkehr und ich nähere mich offensichtlich dem Zentrum. Dann muss ich über drei mal zwei Fahrbahnen hinweg die Straßenseite wechseln und dazu mehrere in Reihe geschaltete Fußgängerampeln nutzen. Ich halte mich an die Verkehrsregeln und gehe nur und sofort bei grün über die Straße. Die Grünphasen sind jedoch so kurz, dass ich keinem gehbehinderten oder älteren Menschen empfehlen würde hier über die Straße zu gehen, es sei denn er ist lebensmüde.
Ich stelle fest, dass Augsburg ein paar schöne historische Ecken und mittelalterliche Gassen hat, die ich eigentlich gar nicht zu Gesicht bekommen hätte, denn irgendwo habe ich die korrekte Abbiegung verpasst. Ich komme sogar an einem historischen Wasserrad in der Nähe des Vogeltores vorbei. Augsburg besitzt tatsächlich die drittgrößte Altstadt nach Köln und Hamburg.
Da kommt schon die Jakobskirche in Sicht. Diesmal vergesse ich nicht ein Foto von Kirche und Brunnen zu machen, wie ich es ja bei meiner letztjährigen Ankunft verschwitzt hatte.
Draußen an der Kirchenwand kann ich auf einer Tafel lesen, dass die Kirche 1355 erbaut, im zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe zerstört und 1948 wieder aufgebaut wurde.
Sogar die Eingangstüre lässt sich bei diesem Besuch öffnen. Im Inneren hängen nützliche Informationen für Pilger an der Wand, eine Telefonnummer für die Übernachtungssuche und gleich vier verschiedene Anlaufstellen für den Pilgerstempel werden genannt.
In der Kirche nützen die Infos den Pilgern nur bedingt, wenn man nicht hinein kann, aber das war bei meinem letzten Besuch der Pandemie geschuldet.
Ich finde auch einen Flyer, herausgegeben von der Jakobus Pilgergemeinschaft-Augsburg e.V., der u.a. auf ihre Homepage www.pilgern-schwaben.de hinweist, wo man viele hilfreiche Infos rund ums Thema Pilgern und besonders den Bayerisch-Schwäbischen Jakobsweg findet. Wieder draußen fällt mir auf, dass erstaunlich viele Menschen auch auf der Straße Masken tragen. Bei uns im Landkreis tun das viel weniger. Ich trage keine, ist ja freiwillig draußen.

Nach einer kurzen Pause draußen am Brunnen, geht es wieder zurück. Nach ein paar Hundert Metern spricht mich eine Frau an und empfiehlt mir wärmstens doch eine Maske zu tragen, denn die Polizei würde hier in der Innenstadt ständig kontrollieren. Erst jetzt wird mir das so richtig klar: Die Augsburger haben tatsächlich Maskenpflicht draußen! Ein, zwei Schilder am Beginn der Fußgängerzone wären vielleicht hilfreich gewesen für den unbedarften auswärtigen Tageswanderer, aber ich habe nichts gesehen.
Als ich in die Karolinenstraße einbiege, kurz vor dem Rathausplatz, trage ich wie alle anderen auch eine Maske, während die Polizei tatsächlich langsam Streife an mir vorbeifährt. Das hätte auch ein teurer Ausflug werden können....

Stadtauswärts laufe ich auf die Basilika St. Ulrich und Afra zu. In Augsburg gäbe es eine Menge eindrucksvoller Bauten zu besichtigen, aber heute verzichte ich und bin froh, als ich den Stadtkern verlasse und wieder die Maske abziehen kann.
Natürlich lege ich auf dem Rückweg einen Stopp in dem Biergarten an der Wertach ein. Obwohl es schön sonnig geworden ist, ist nur ein weiterer Tisch belegt.
Nach einer Erfrischungspause geht es weiter.


Die Käsekirche
Zum krönenden Abschluss des Tages werfe ich noch einen Blick in die sogenannte " St. Camenbertkirche", die ziemlich direkt neben der Wertachbrücke gebaut wurde und richtig "Zum heiligsten Erlöser" heißt. Den Spitznamen verdankt das Gemäuer seinem ungewöhnlichem architektonischem Design, das natürlich an ein Stück französischen Weichkäse erinnert. Also aus der Luft betrachtet. Auf meinem Foto kann man das nicht so richtig erkennen.
Tatsächlich ist auch diese Eingangstüre heute nicht verschlossen. Zu meiner Freude finde ich drinnen den modernsten Pilgerstempel überhaupt. Zwar nicht abgestimmt auf den Bau (in Achtelform), sondern rund, aber mit Mechanik zum runterdrücken und integriertem Stempelkissen. Der Druck in meinen Pass gelingen perfekt. Sehr schön.
Zufrieden geht es nach diesem Kurzausflug wieder gen Heimat.
Dann steht dem Start zur zweiten Pilgerwoche nach Bad Grönenbach eigentlich nichts mehr im Wege. Lies weiter, wie mein Bayerisch-Schwäbischer Jakobsweg von Göggingen Richtung Westen weiterging:


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