

Meine Via Podiensis
Es folgt eine echte Liebeserklärung ...
... an 760 wunderschöne Kilometer zwischen Le-Puy-en-Velay und Saint-Jean-Pied-de-Port. Diese Strecke führt durch die französischen Regionen Auvergne-Rhone-Alpes, Okzitanien und Neu-Aquitanien. Sie ist landschaftlich ein absolutes Highlight. Vulkanplateaus, tiefe Schluchten, endlose Weizen, Mais - und Sonnenblumenfelder, mittelalterliche Orte, die Pyrenäen, wow. Frankreich zeigt sich von seiner ziemlich charmanten Seite. Zu Recht gehören historische Teilabschnitte des Weges, sowie bestimmte Bauwerke zum Unesco-Weltkulturerbe.
Besonders die ersten 200 Kilometer bis Conques sind herausragend. Das dünn besiedelte Hochplateau des Aubrac bezaubert mit seiner endlosen Weite, den aufgeschichteten Steinmauern und Ginster am Wegesrand, während oftmals ein rauer Wind darüber hinweg peitscht. Aber auch ursprüngliche Bergdörfer, historische Kirchen und jede Menge Natur warten darauf zu Fuß entdeckt zu werden. Es gibt viel gute Luft zum durchatmen und genügend Gelegenheiten sich in längst vergangene Zeiten zurück versetzt zu fühlen.
Am Abend verwöhnen die Gastgeber in den Pilgerherbergen kulinarisch mit den obligatorischen drei Gängen, bevor man hundemüde ins Bett fällt und tief & fest schläft. Vorausgesetzt man hat ein Nichtschnarcherzimmer erwischt.



Schon gewusst?
Via Podiensis heißt dieser Pilgerweg, weil er in Le Puy startet. Auf Lateinisch hieß Le Puy früher = Podium, was soviel wie Bergkuppe bedeutete. Mehrere Bergkuppen = Podien
Via = Weg. Ein Weg über Bergkuppen. Da ist was dran.
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Der Via Podiensis Check:
Entscheidungshilfen für dich
Länge & Schwierigkeitsgrad
Die Via Podiensis ist auf gut 760 Kilometern Länge, beginnend in Le Puy en Velay in der Auvergne, ein landschaftlich wunderschöner, aber körperlich durchaus fordernder Jakobsweg, der durch insgesamt 8 Départements führt und in Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen endet. Dieser Jakobsweg darf mit insgesamt 27000 Metern Auf- und Abstieg durchaus als anspruchsvoll bezeichnet werden, besonders die ersten Tage haben ein Faible für Höhenmeter und steinige Untergründe in allen möglichen Varianten und das sollten die Pilger darauf ebenfalls teilen.
Dauer
Hilfreiche Pilgerbüchlein teilen diesen Weg gerne in 30 Tagesetappen, bei mir tendiert es eher zu 40 Tagen, da ich gerne wegen einer alten Kirche, Fotos von Schmetterlingen, Lavendel oder Sonnenblumenfeldern, sowie für eine Tasse Tee oder ein spontanes Gespräch am Wegesrand oder das Auslüften meiner Socken anhalte. So oder so - Auf jeden Fall gibt es dir genügend Zeit deine Packliste mehrfach zu verfluchen.
Beste Reisezeit
Ab Mitte April, Mai und September. Im Hochsommer können Hitze und fehlender Schatten schnell zur zusätzlichen Pilgerprüfung werden, früher oder später im Jahr kann der Schnee in den Höhenlagen ein nicht zu unterschätzendes Problem sein. Ich war im Juni/Juli unterwegs. Temperaturen teilweise über 40 Grad, keine gute Idee. Das würde ich nicht nochmal machen.
Pilgerdichte
Deutlich belebter als die Via Gebennensis nach Genf, aber spürbar ruhiger als der Camino Francés oder der Camino Portugués. Die Via Podiensis ist eine der 3 Pilgerhauptrouten durch Frankreich und weist mit bis zu 30.000 jährlich registrierten Pilgern und Wanderern die höchsten Besucherzahlen von allen dreien aus.
Besonders im Mai kann es deshalb dort durchaus eng werden. Auf dem Weg und in den Unterkünften. Spätestens nach der morgendlichen Aussendungsmesse in Le Puy bekommt man den ersten kleinen Schreck, sofern man sich bis dahin noch auf einer echten Geheimtipp-Mission wähnte: Bis zu 200 Pilger strömen prozessionsartig die Stufen vor der Kathedrale hinunter, bereit den Weg, genau wie man selbst, zu erobern. Die Bepackten verteilen sich zum Glück, je nach Kondition, schon nach den ersten Anstiegen, aber das erste Drittel der Podiensis bis Conques ist gut frequentiert – und das zu über 80 Prozent von französischen Pilgern und Wanderern.
Spätestens an der berühmten Klosterabtei in Conques (Weltkulturerbe) endet für viele von ihnen die zumeist erste Pilgererfahrung und man steigt in den täglichen Pilgerbus zurück nach Le Puy.
Ab da gilt: je mehr man sich den Pyrenäen nähert, desto ruhiger wird es auf der Podi. Irgendwann begegnet man fast nur noch den Pilgern, die schon seit Wochen unterwegs sind. Das sind im Hochsommer nicht mehr viele, nur die ganz Mutigen. Um es positiv auszudrücken...
Hinter Cahors, nach der Hälfte der Strecke, gab es Tage, an denen ich unterwegs keinem einzigen Pilger begegnet bin. Wenn überhaupt, dann traf man sich erst abends in der Herberge wieder.

Übernachtung & Reservierung
Unterkünfte: Pilger-/Wanderherbergen (Gîtes d'étape), Gästezimmer (Chambres d'hôtes) und Hotels. Vor allem in der Hauptsaison (Mai und September), sind Reservierungen sehr zu empfehlen, zumindest bis Conques.
Anders als die Spanier sind die Franzosen keine Fans von ungeplanten Pilgergästen, die zur Abendessenszeit in die Herberge stürmen, nach einem Bett fragen und dadurch die heißgeliebte, mehrstündige Essenszeremonie crashen (gut, letzteres könnte man in Spanien nicht, selbst wenn man es wollte).
Ich habe es live erlebt, und zwar 2x, dass nicht-französische Pilger ohne Reservierung abgewiesen wurden. Zu meinem persönlichen Bedauern fehlte es den dafür verantwortlichen Menschen an Fingerspitzengefühl und dem oft erwähnten Pilgergeist. Solche Herbergsbetreibenden gibt es; die nicht selbst gepilgert sind und die ihre Gite nicht aus Überzeugung, sondern nur aus wirtschaftlichen Gründen betreiben, weil sie auf das Einkommen angewiesen sind. Vielleicht darf man nicht vergessen, dass die Podi nicht nur Pilgertummelplatz, sondern gleichzeitig auch viel genutzter Fernwanderweg ist, den man aus herrschender französischer Sicht zur Planungssicherheit aller Beteiligten, besser reservieren sollte.
Natürlich hat dazu jeder eine eigene Meinung. Meine lautet: Man kann die Podiensis auch ohne zu reservieren gehen, außerhalb der Stoßzeiten. Allerdings für ein Minimum an Sicherheit: besser mit Zelt. Oder der Bereitschaft und Flexibilität notfalls auf der Isomatte oder im Biwak unter freiem Himmel oder auf der Kirchenbank mit knurrendem Magen zu übernachten. Es gibt Pilger, die mir erzählt haben, dass sie in den öffentlichen Toilettenhäuschen auf dem Boden geschlafen haben.
Wenn man auf den Komfort eines Herbergsbetts nicht verzichten möchte, empfehle ich immer zumindest am Vormittag für den selben Abend anzurufen, besser 48 Stunden im Voraus, im Mai wird selbst das teilweise schwierig sein. Gerade im Aubrac sind die Unterkunftsmöglichkeiten ziemlich begrenzt und die Nachfrage hoch, weil sich Pilger die wenigen Unterkünfte, wie schon erwähnt, auch mit Wanderern, bzw. Touristen teilen müssen. Dort kann es nachts wegen der Höhe auch ziemlich kalt werden.
Mir haben in den ersten Tagen mehrere Franzosen und sogar eine Deutsche unabhängig voneinander erzählt, dass sie alle Unterkünfte auf ihrer Route bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port, Moissac, Cahors oder wo immer sie auch aufhören wollten, bereits von zuhause aus Monate im Voraus gebucht hatten. Das ist die Realität auf der Podiensis.
Ich selbst habe auf den ersten 12 Tagen bis Conques jeweils 3 Tage im Voraus reserviert. Ich wollte es eigentlich anders machen, den ganzen Weg ganz im Vertrauen gehen, aber nach dem, was ich erfahren hatte, habe ich meine Meinung spontan geändert. Ich wollte nicht, dass mein Fokus zu sehr auf der Herbergssuche liegt und mich stresst. Ab Cahors war es dann nicht mehr nötig im Voraus zu planen. Da war der Anruf oder Whatsapp Kontakt für den selben Tag ausreichend.
Orientierung
Dem Weg zu folgen fällt leicht, denn die Markierung ist durchgängig gut, selbst die zusammenlaufenden Muschelstrahlen zeigen häufig in die richtige Richtung. Die Podiensis ist mit den rot weißen GR 65 Markierungen versehen (Grande Randonnee = Fernwanderweg), der sich identisch mit dem Pilgerweg quer durch Frankreich bis zu den Pyrenäen erstreckt. Trotzdem gilt: Wer träumt, läuft auch mal einen kleinen Umweg.Ich empfehle zudem die "CaminoLove" oder "Buen-Camino App" zu laden. Damit kann man sich individuelle Tagesetappen auf der Via G selbst passend für die eigenen Bedürfnisse gestalten und als gpx Tracks downloaden. Auch "gronze.com" hilft viel für ein Blick aufs Streckenprofil.

Preise
Insgesamt ist das Übernachten und Essen in Frankreich teurer als in Spanien oder Portugal. Ich bin mit Halbpension und Übernachtung in der Herberge im Schnitt mit 35 - 45 Euro pro Nacht ausgekommen. Das war durchaus besser als erwartet. Versuch das mal in Deutschland.
Wer aufs Budget achten muss, gerne schleppt und independent ist, ist mit einem Zelt gut bedient; es gibt viele schöne Campingplätze und wild campen darf man auch, wenn man sich an die Regeln hält.
Infrastruktur
Auf der ersten Hälfte, also bis Cahors, besser als auf den meisten deutschen Jakobswegen – aber sonntags kann ein geöffnetes Geschäft trotzdem zum kleinen Wunder werden. Manchmal stolpert man vormittags unerwartet in einen kleinen Markt, findet auch gelegentlich einen Foodtruck oder kleine Donativos, also Orte, wo Menschen Getränke oder Obst gegen Spende zur Verfügung stellen, sollte sich aber nicht darauf verlassen.
Mit spanischem Pilgerkomfort kann die Podiensis nicht konkurrieren; es gibt zu oft über lange Strecken keine geöffneten Cafés, Bäckereien oder Lebensmittelläden (Épicerie) am Weg, bei denen man halten und sich versorgen kann. Man tut also gut daran am Vortag ein wenig vorab zu lesen, was einen erwartet und einzukaufen, wenn man nicht bis abends hungrig bleiben möchte.
Und über das französische Frühstück habe ich schon an anderer Stelle wenig Zweifel an meiner Begeisterung gelassen: Baguette & Marmelade. Für deutsche Müsliliebhaber und Vollkornanhänger eine harte Belastungsprobe.
Es gibt auch die Möglichkeit des Gepäcktransports
("la malle postale"), aber da ich ihn nicht genutzt habe, kann ich dazu leider nichts sagen, nur: es scheint zu funktionieren.
Sprache & Franzosen
Ich möchte hier eine ganze Lanze für die Franzosen und Pilgern in Frankreich brechen, denn ich weiß, dass fehlende Sprachkenntnisse einige deutschsprachige PilgerInnen davon abhalten es auszuprobieren.
Auch ich hatte das ein oder andere Vorurteil unseren Nachbarn gegenüber, als ich letztes Jahr in Genf losging. Auch in diesem Jahr (2026) habe ich die Franzosen fast immer als freundlich, sehr höflich, hilfsbereit und mir zugewandt erlebt. Gut, sie sind etwas distanzierter als die Spanier, aber auf ihre Art genau so liebenswert und gastfreundlich, zumindest, wenn man zwei Dinge beachtet:
Man darf erstens nicht voraussetzen, dass jeder sofort auf Englisch antwortet, nur weil man ihn auf Englisch anspricht.
Und zweitens sollte man es am Besten vermeiden zeitlich mit ihrem Abendessensvorbereitungen in Konflikt zu geraten.
Anders gesagt: Es ist alles eine Frage des persönlichen und respektvollen Auftretens. Ein paar höfliche französische Floskeln zur Begrüßung, ein Lächeln und schon wird vieles erstaunlich unkompliziert. Auch dank Google-Translator, den du natürlich getrost zur Hilfe nehmen kannst.
Ich will aber ehrlich sein: Selbst für mich, die ich relativ gut Französisch spreche, gab es Momente, in denen ich mich überfordert fühlte: Wenn am Abendtisch mehrere französische Pilger gleichzeitig in einem Affenzahn durcheinanderredeten. Französisch ist auf der Via Podiensis die Sprache des Weges und auch die Sprache des Abendessens. Der internationale Mix, den man vom Camino Francés kennt, ist hier deutlich kleiner. Ich war mehrfach die einzige Ausländerin in einer großen französischsprachigen Gruppe, das ist anstrengend für mich.
Deshalb gab es Situationen in denen ich mich einfach mal wieder nach einem Gespräch auf Deutsch gesehnt habe. Aber das würde mich niemals davon abhalten, wieder allein durch Frankreich zu pilgern. Es lag nicht an den Franzosen, die sich bemühten mich zu integrieren, mir viele Fragen stellten – sondern meist an mir, meiner schwindenden Konzentration und zunehmenden Müdigkeit nach einem langen/heißen Pilgertag.
Genau diese Erfahrungen gehören für mich auch zum Camino dazu.

Frau allein unterwegs
Ich habe mich noch nie, weder in Deutschland, noch in Spanien, so sicher und gut aufgehoben gefühlt wie auf der Via Podiensis. Egal wo auf diesen 760 Kilometern. Es sind verhältnismäßig viele Frauen alleine unterwegs. Falls man sich nach Gesellschaft sehnt, ergibt sich immer wieder ganz natürlich die Möglichkeit mit anderen ein Stück zusammen zu gehen. Der Frauenanteil insgesamt unter den Pilgernden dort beträgt unglaubliche 70 Prozent. Das haben mir Herbergsbetreibende mehrfach bestätigt. Ich habe kein einziges Mal davon gehört, dass sich eine Frau belästigt oder unsicher fühlte. Es war einfach gar kein Thema.
Auch von Diebstählen oder anderer Camino-Kriminalität habe ich nichts mitbekommen. Gut, im Kloster von Conques, wo morgens gefühlt 100 Paar Wanderschuhe und doppelt so viele Trekkingstöcke friedlich nebeneinanderstehen, besteht durchaus die Gefahr, dass jemand versehentlich mit dem falschen Paar loszieht. Aber das wäre wohl eher ein Fall von morgendlicher Orientierungslosigkeit als von organisierter Kriminalität. Ansonsten wurden mir ausschließlich Verbrechen der besonders sympathischen Art erzählt: Pilger, die anderen zerstreuten Seelen ihr vergessenes Portemonnaie samt Inhalt kilometerweit hinterhertragen.
An/Rückreise Le Puy-en-Velay
Wer nicht bereits sowieso zu Fuß über die Via Gebennensis oder andere Jakobswege nach Le Puy gekommen ist, nimmt am besten den Zug dorthin. Aus Deutschland/Österreich/Schweiz entweder über Paris oder Lyon kommend, halten einige der TGV's dann in Saint-Etienne, wo man in den TER nach Le Puy umsteigt, der viermal täglich fährt.
Zwischen Le Puy und Conques verkehrt von April - Mitte Oktober einmal täglich der Compostel'Bus, der die An- und Abreise zumindest für dieses Stück erleichtert.
Der Bus (18/33 Sitze) muss vorher online reserviert werden. Er fährt morgens in Le Puy los, hält an jeder Milchkanne an, erreicht mittags Conques, und fährt dann wieder dieselbe Strecke zurück. Kostet ca. 40 Euro für die Gesamtstrecke. Natürlich kann man auch einzelne Etappen damit überspringen, wenn die Pilgerzeit zu knapp bemessen wurde.
Ansonsten ist es mit dem ÖPNV in Frankreich, wie soll ich es elegant ausdrücken, nun ja, etwas komplizierter.
Die Mitfahr-App "Blabla Car" ist in Frankreich sehr beliebt und immer eine Überlegung/Versuch wert. Ein Minimum Französisch ist für die Unterhaltung mit dem Fahrer von Vorteil.

Meine Etappenreportagen
Frau Pilgerhut erzählt: Fronkreisch, un thè, une baguette, très nett...
Neugierig geworden? Unterhaltsam und kurzweilig erfährst Du in meinem Blog noch mehr über die einzelnen Tagesetappen der Via Podiensis. Oder Podi, wie sie bei mir heißt. Ein Muss für FrankreichliebhaberInnen und solche, die es vorhaben zu werden. Mit Fotos, Insiderwissen & echten Geschichten von Frau Pilgerhut. Und ein bisschen Mut. Link hinter jedem Bild. Bald.
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